Auf Jubel folgt Ernüchterung

Lokalsport Delmenhorster Kurier vom 24.08.2018 von Heino Horstmann

Auf Jubel folgt Ernüchterung

Julian Thomas betreute die Damen hauptverantwortlich.

Julian Thomas betreute die Damen haupt-verantwortlich. (Ingo Möllers)

Delmenhorst. Auf den Jubel ist die Ernüchterung gefolgt: Die Tennis-Damen des TC Blau-Weiß Delmenhorst und Ganderkeseer TV sind als frisch zusammengeschlossener Aufsteiger mit dem Ziel Klassenerhalt in die Oberliga-Saison gestartet, müssen nach einem Jahr aber wieder den Gang in die Landesliga antreten. Dabei wäre der Liga-Verbleib durchaus möglich gewesen – zumindest vermuten das die beiden Trainer.

Ein Rückblick: Vor einem Jahr gelang den Damen des Ganderkeseer TV der Titelgewinn in der Landesliga und somit die Berechtigung zum Aufstieg in das Oberhaus des Niedersächsischen Tennisverbandes. Damals ein zweifellos toller Erfolg für das GTV-Quartett um Trainer Patrick Jersch – immerhin war der GTV als Aufsteiger in die Saison gestartet. Aber schon bald war klar, dass das Team um Mannschaftsführerin Teresa Fuchs aufgrund der Personalsituation kaum die Möglichkeit gehabt hätte, den Spielbetrieb in der Oberliga aufzunehmen. Denn im Gegenteil zur Landesliga wird dort mit Sechser-Mannschaften gespielt. „Es hätte vielleicht klappen können, Spielerinnen aus anderen Vereinen an uns zu binden. Als dann aber das Angebot des Klassengefährten TC Blau-Weiß Delmenhorst kam, zu fusionieren, und auch der Verband zustimmte, war ich sehr dankbar“, sagte Jersch, „insbesondere im Hinblick auf die sich bereits damals anbahnende Situation, dass der Ganderkeseer TV als Verein keine Zukunft mehr haben würde, was inzwischen ja Fakt ist.“

Der Verlauf der Oberliga-Saison stimmte ihn unterdessen nur wenig zufrieden. „Da war wesentlich mehr für uns drin. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir nicht absteigen mussten. Aber wer konnte schon mit so vielen Unbekannten rechnen?“, sagte Jersch. Was er damit meinte? Nun, bereits die Vorbereitung verlief für das neue Team nicht gerade optimal, genauso wie der Saisonstart in Lilienthal. Eine Spielerin reiste damals verspätet an, sodass der Aufsteiger einen Punkt kampflos abgeben musste. „So etwas kratzt zweifellos an der Psyche, und sei es nur unterschwellig“, meinte Jersch, „man kann in Lilienthal auch verlieren, aber nicht 1:8.“

Ein weiterer Kritikpunkt von Jersch: In einigen Matches haben die laut ihm so wichtigen zehn Prozent gefehlt, um auf der Kippe stehende Partien siegreich zu gestalten. „Einen Erfolg können die Mädchen allerdings für sich verbuchen: die tolle Gemeinschaft, die entstanden ist und die für die Zukunft hoffen lässt“, meinte Jersch.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch Julian Thomas, der die Mannschaft hauptverantwortlich durch die Spielzeit begleitete: „Mir war klar, dass wir zu den Abstiegskandidaten zählen würden. Dazu musste man nur die Mannschaftslisten unserer Konkurrenten, die nicht nur mit wesentlich besseren Leistungsklassen, sondern auch mit viel mehr Erfahrung ausgestattet waren, lesen. Dennoch haben sich meine Schützlinge ausgezeichnet geschlagen“, sagte Thomas. Was letztendlich gefehlt habe, sei die Konstanz in den entscheidenden Phasen. „Hinzu kam das überdurchschnittliche Verletzungspech, sodass wir nicht immer mit einem kompletten Team antreten konnten“, stellte Thomas fest, „es spricht aber für die gute Moral der Mannschaft, dass sie nie aufgegeben und sicherlich viel Positives für die kommende Saison mitgenommen hat.“

Sein Optimismus ist durchaus verständlich, immerhin haben die Gegnerinnen den Delmenhorsterinnen in der abgelaufenen Saison oft genug Respekt für die Spielstärke gezollt. Mette Berg, Spitzenspielerin und Mannschaftsführerin des Bremer Tennis-Club von 1912, sagte etwa: „Als Aufsteiger hast du es auf dieser hohen Ebene immer schwer. Auch wir mussten vor Jahresfrist in der Nordliga erkennen, wie hoch die Trauben dort hängen, sodass wir viel Lehrgeld bezahlten. Wir sind sang- und klanglos abgestiegen, profitieren jetzt aber von den dabei gesammelten Erfahrungen.“

 

 

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